Trichter- und Kielbrust
Trichterbrust – Pectus excavatum:
Angeborene, krankhafte Veränderung des Brustkorbs. Durch Veränderungen in den Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen sinkt der vordere Teil des Thorax trichterförmig ein. Diese Brustkorbdeformität kann sich im Laufe des Wachstums (vor allem in der Pubertät) verstärken. Die Trichterbrust weist symmetrische und asymmetrische Erscheinungsformen auf.
Bei der Kiel-/oder Hühnerbrust (Pectus carinatum) wölben sich die Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippe nach vorn.
Folgen
Die Folgen einer Trichterbrust sind meist subjektiver als objektiver Natur. Die meisten Patienten berichten über eine kosmetische Entstellung ihres Brustkorbes. Damit liegt bei vielen Betroffenen ein seelischer Leidensdruck vor und vermag ab Pubertätsbeginn zunehmende soziale Isolationsstrategien zu erzwingen; gerade dadurch besitzt die psychische Seite der Symptomatik ernstzunehmenden Krankheitswert.
Nur sehr selten kommt es bei höhergradiger Ausprägung zur Funktionsbeeinträchtigung der Herz- und Lungefunktion. Auch werden körperliche Fehlhaltungen der betroffenen Menschen beobachtet. Auch Fehlentwicklungen der weiblichen Brust sind häufig.
Diagnostik
Die klinische Inspektion und Untersuchung vermögen das Ausmass der Deformität relevant zu erfassen. Wichtig im Hinblick auf die mögliche Operationsstrategie ist die Beurteilung der Symmetrie des Befundes. Bei stark asymmetrischer Trichterbrust, ebenso wie bei ausgeprägter Kielbrust, eignet sich die minimalinvasive Operationstechnik nach NUSS nicht.
Therapie
Offene Operation (nach Ravitch)
Bei der Operation wird der Brustkorb durch einen mehrere Zentimeter langen vertikalen oder horizontalen Schnitt geöffnet. Anschließend werden die deformierten Knorpelanteile der deformierten Rippen entfernt. Das Brustbein wird quer angesägt und danach angehoben und von hinten mit einem Metallbügeln fixiert. Danach wird der Brustkorb wieder geschlossen. Der Metallbügel kann nach 12 Monaten entfernt werden.
Minimalinvasive Operation (nach Nuss)
Bei der sogenannten „Nuss-OP“ wird durch zwei kleine Schnitte an den Seiten unter den Achseln ein individuell ausgemessener und vorgebogener Metallbügel unter das Sternum geschoben. Dieser drückt das eingesunkene Brustbein und die betroffen Rippen nach außen. Der Bügel wird seitlich fixiert. In manchen Fällen werden auch zwei oder drei Bügel eingebracht. Das Ergebnis ist sofort sichtbar.
Meist bleibt der Bügel für zwei Jahre im Körper und wird dann operativ entfernt; bei älteren Patienten ist eine längere Zeit erforderlich. Voraussetzung für diese Technik ist eine symmetrische Trichterbrust bei Kindern, Jugendlichen und inzwischen auch Erwachsenen bis zum Alter von ungefähr 35 Jahren.